E-E-A-T im KI-Zeitalter
Was E-E-A-T ist – und was nicht
Erstes Missverständnis ausräumen: Das Thema E-E-A-T ist kein direkter Ranking-Faktor.
Bei Google gibt es keinen Algorithmus, der deine Website scannt und einen Score von 0 bis 100 vergibt. Stattdessen ist E-E-A-T ein Framework für die menschlichen Quality Rater – Tausende Personen, die Suchergebnisse manuell bewerten und damit die Algorithmen trainieren.
Praktisch heißt das: Du kannst E-E-A-T nicht hacken. Kein Meta-Tag, kein Plugin, kein Trick. Was funktioniert, ist die Signale zu verstärken, die Menschen und Algorithmen als Vertrauensindikatoren interpretieren.
Das Wichtigste in 30 Sekunden
E-E-A-T steht für Experience, Expertise, Authoritativeness und Trustworthiness. Google nutzt diese vier Kriterien, um die Qualität von Inhalten zu bewerten. Seit 2022 kam das E für "Experience" dazu – Googles Reaktion auf die KI-Content-Flut.
Das Interessante: Dieselben Signale beeinflussen auch, ob ChatGPT, Perplexity und Co. dich zitieren. Wer E-E-A-T ignoriert, wird in beiden Welten unsichtbar.
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Die vier Buchstaben im Detail
Experience: Das unterschätzte erste E
Ende 2022 hat Google das zusätzliche E eingeführt. Der Grund ist simpel:
Ein Sprachmodell kann einen überzeugenden Artikel über Wanderschuhe schreiben, ohne jemals einen Berg bestiegen zu haben. Ein Mensch, der 500 Kilometer auf dem Jakobsweg gelaufen ist, bringt etwas mit, das keine KI simulieren kann.
Experience zeigt sich in Details:
- Die kleinen Beobachtungen, die nur jemand machen kann, der dabei war
- Fehler, die man selbst gemacht hat
- Fotos, die nicht aus Stockbild-Datenbanken stammen
- Konkrete Zahlen aus eigener Erfahrung
Beispiel:
Angenommen, jemand betreibt einen Finanzblog mit inhaltlich soliden Beiträgen und technisch sauberer Umsetzung. Trotz dieser Grundlagen bleibt die Sichtbarkeit in den Suchergebnissen begrenzt.
In solchen Fällen liegt die Ursache häufig nicht im Content selbst, sondern in fehlenden EEAT Signalen. Besonders auffällig ist oft eine nicht vorhandene oder sehr oberflächliche Über uns Seite. Es fehlt die Einordnung, wer hinter den Inhalten steht, aus welcher Motivation heraus geschrieben wird und auf welcher Erfahrung die Aussagen basieren.
Wird diese Lücke geschlossen und der Betreiber beschreibt sachlich seinen Hintergrund, seinen Lernweg und seine persönliche Motivation, verändert sich die Wahrnehmung der gesamten Website. Die Inhalte wirken weniger generisch, Autorenschaft wird nachvollziehbar und Vertrauen entsteht nicht durch Marketing Aussagen, sondern durch Transparenz.
In der Praxis kann sich dies positiv auf Nutzerverhalten und langfristig auch auf die organische Sichtbarkeit auswirken, da Suchmaschinen Inhalte besser einordnen und bewerten können.
Expertise: Mehr als ein Diplom
Expertise wird oft missverstanden als formale Qualifikation. Ja, für medizinische Artikel hilft es, wenn der Autor Arzt ist. Aber Expertise zeigt sich auf viele Arten.
Ein Automechaniker mit 30 Jahren Berufserfahrung hat Expertise – ohne Ingenieursdiplom. Eine Mutter, die drei Kinder mit Neurodermitis großgezogen hat, weiß Dinge, die kein Dermatologe aus Büchern lernen kann. Ein Hobbygärtner, der seit 20 Jahren Tomaten züchtet, schlägt jeden Agrarwissenschaftler bei diesem spezifischen Thema.
Die Frage ist nicht, ob du formale Credentials hast. Die Frage ist, ob du deine Expertise demonstrieren kannst:
- Tiefe statt Breite in deinen Inhalten
- Spezifische Aussagen statt vager Allgemeinplätze
- Nuancen erklären, die Laien nicht sehen
- Fachbegriffe verwenden UND verständlich erklären
Authoritativeness: Wenn andere für dich bürgen
Autorität ist das Element, das du am wenigsten direkt kontrollieren kannst. Sie entsteht, wenn andere dich als Referenz anerkennen:
- Backlinks von etablierten Seiten
- Erwähnungen in Fachpublikationen
- Zitate in wissenschaftlichen Arbeiten
- Interviews in Podcasts
- Gastbeiträge auf bekannten Plattformen
Der Aufbau ist ein langfristiges Spiel. Du kannst Autorität nicht kaufen – jedenfalls nicht nachhaltig.
Was ich beobachtet habe: KI-Systeme wie ChatGPT scheinen besonders sensibel für Autoritätssignale zu sein. Marken, die in ihrer Nische als Referenz gelten, tauchen überproportional häufig in KI-Antworten auf. Logisch – wenn viele hochwertige Quellen dich erwähnen, lernt das Modell, dass du relevant bist.
Trustworthiness: Das Fundament
Trust ist das zentrale Element. Google sagt selbst in den Quality Rater Guidelines: Trust ist das wichtigste Kriterium. Ein Experte, dem man nicht vertrauen kann, ist wertlos. Eine autoritäre Quelle, die manipuliert, ist gefährlich.
Vertrauenswürdigkeit zeigt sich in:
Transparenz: Wer bist du? Was qualifiziert dich? Welche Interessen verfolgst du?
Genauigkeit: Stimmen die Fakten? Sind die Quellen seriös? Werden Unsicherheiten eingeräumt?
Fehlerkultur: Korrigierst du Fehler offen oder versuchst du sie zu vertuschen?
Technische Basics: HTTPS, vollständiges Impressum, klare Datenschutzangaben. Hygienefaktoren – ihr Fehlen macht dich sofort verdächtig.
YMYL Inhalte
Es gibt Themenbereiche, in denen Google die Standards besonders streng anlegt. “Your Money or Your Life” – kurz YMYL. Hier können Fehlinformationen Leben zerstören oder Menschen finanziell ruinieren.
YMYL umfasst:
- Gesundheit und Medizin
- Finanzen und Recht
- Nachrichten und aktuelle Ereignisse
- Selbst scheinbar Harmloses wie Ernährung oder Fitness
Zum YMYL-Inhalte reichen mittelmäßige E-E-A-T-Signale nicht. Du brauchst überdurchschnittliche Expertise Thema, nachweisbare Credentials, Quellen für jede substanzielle Aussage.
Beispiel:
Angenommen, ein Heilpraktiker möchte die Sichtbarkeit seiner Website verbessern. Fachlich bringt er viel mit, jahrzehntelange Berufserfahrung und tiefes Praxiswissen. Auf der Website selbst spiegelt sich das jedoch nicht wider. Die Texte sind stark wertend formuliert, arbeiten mit unklaren Versprechen, verzichten auf Quellenangaben und trennen nicht sauber zwischen persönlicher Überzeugung und evidenzbasierter Information.
In einem solchen Szenario besteht die eigentliche Herausforderung nicht im Mangel an Erfahrung, sondern in der Darstellung. Um EEAT Anforderungen gerecht zu werden, müssten Inhalte strukturiert überarbeitet werden: fachliche Aussagen belegt, persönliche Einschätzungen klar gekennzeichnet, Qualifikationen transparent dargestellt und rechtliche sowie inhaltliche Einordnungen ergänzt.
Erst wenn diese Grundlagen sauber umgesetzt sind, entsteht eine Basis, auf der Suchmaschinen Inhalte überhaupt angemessen bewerten können. In der Praxis zeigt sich häufig, dass sich Rankings erst dann bewegen, wenn Glaubwürdigkeit, Nachvollziehbarkeit und fachliche Trennung konsequent hergestellt wurden.
Rolle in KI-Suchmaschinen
Hier wird es interessant für GEO.
Die zentrale Erkenntnis: E-E-A-T-Signale sind nicht nur für Google relevant. Sie entscheiden auch, ob KI-Systeme dich als zitierwürdige Quelle betrachten.
Große Sprachmodelle werden nicht mit zufälligen Webseiten trainiert, sondern mit kuratierten Datensätzen, die nach Qualität gefiltert sind. Quellen mit hoher Autorität, nachgewiesener Expertise und positiven Trust-Signalen sind überrepräsentiert. Schwache E-E-A-T-Signale? Oft komplett ausgeschlossen.
Eine Studie von Princeton-Forschern (Aggarwal et al., 2024) hat das untersucht. Die Ergebnisse:
| Optimierungsmaßnahme | Sichtbarkeits-Steigerung in KI-Antworten |
|---|---|
| Reiner Schreibstil (Fluency) | +15-30% |
| Hinzufügen von Zitaten | +30-40% |
| Statistiken einbauen | +35-40% |
| Autorensignale verstärken | +20-30% |
Die klassischen Trust-Signale – Zitate, Quellen, Statistiken – bringen mehr als reine Textoptimierung.
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Praktische Optimierung
Das Fundament: Transparenz
Bevor du an einzelnen Inhalten arbeitest, muss das Grundgerüst stimmen.
“Über uns”-Seite: Keine Marketing-Floskeln. Echte Informationen. Wer steckt dahinter? Welche Erfahrung? Welche Geschichte?
Autorenprofile: Jeder Artikel braucht einen Namen, ein Foto, eine Kurzbiografie. Idealerweise Links zu LinkedIn oder Fachverbänden.
Impressum und Datenschutz: Vollständig und aktuell. Für Quality Rater ist ein fehlendes Impressum ein sofortiges Red Flag.
Content-Signale
Bei jedem wichtigen Inhalt frag dich: Würde ein Fremder mir vertrauen?
Belege: Jede substanzielle Behauptung braucht eine Quelle. Kein wissenschaftliches Paper nötig – aber ein Link zu einer offiziellen Statistik, ein Zitat aus einem Fachbuch, ein Verweis auf eine Studie.
Experience-Signale: Persönliche Anekdoten, konkrete Praxis-Beispiele, Details, die nur jemand kennen kann, der wirklich in dem Bereich arbeitet.
Vollständigkeit: Decke das Thema komplett ab. Beantworte nicht nur die offensichtlichen Fragen, sondern auch die Folgefragen.
Aktualität: Veraltete Informationen sind ein Trust-Killer. Zeige das Aktualisierungsdatum an.
Strukturelle Signale
Schema Markup: Strukturierte Daten für Autoren und Organisationen. Macht es Algorithmen leicht, deine Autoritätssignale zu erkennen.
Interne Verlinkung: Themencluster aufbauen – Hauptseite plus spezialisierte Unterseiten. Signalisiert thematische Tiefe.
Externe Validierung
Der schwierigste Teil. Aber jede Aktivität zahlt auf dein E-E-A-T-Konto ein:
- Gastbeiträge auf etablierten Plattformen
- Podcast-Auftritte, Interviews
- Pressearbeit und Digital PR
- Bewertungen auf Google, Trustpilot, Branchenportalen
Die häufigsten Vertrauensfehler
Anonyme Inhalte. Artikel ohne Autor, ohne Datum, ohne Kontext. Das Gegenteil von der E-E-A-T.
Versteckte Credentials. Viele Menschen sind bescheiden. Aber du musst deine Qualifikationen proaktiv kommunizieren. Nicht prahlend, aber klar.
Fehlende Quellen. “Studien zeigen…” ohne irgendeinen Beleg. Das Gegenteil von Trust.
Veraltete Inhalte. Das Internet vergisst nichts – auch nicht deine Artikel von 2019 mit überholten Informationen.
Zu breiter Fokus. E-E-A-T belohnt Tiefe, nicht Breite. Werde in einem Bereich zur Referenz, bevor du expandierst.
Messbarkeit
Kein metrischer Score in Analytics. Aber Proxy-Metriken:
Branded Search Volume: Mehr Menschen suchen direkt nach deinem Namen? Wachsende Autorität.
Backlink-Qualität: Nicht Quantität. Verlinken anerkannte Quellen auf dich?
Engagement: Bleiben Besucher und lesen – oder springen sie sofort ab?
YMYL-Rankings: Wenn du in sensiblen Themenbereichen rankst, vertraut Google deinen E-E-A-T-Signalen.
KI-Erwähnungen: Frag ChatGPT oder Perplexity nach Themen aus deinem Bereich. Wirst du erwähnt?
Die Zukunft von E-E-A-T
E-E-A-T wird nicht weniger wichtig, sondern wichtiger. Die Gründe sind strukturell:
Content-Explosion: KI-Tools ermöglichen jedem, in Minuten Artikel zu produzieren. Das Ergebnis ist ein Ozean aus Mittelmäßigkeit. E-E-A-T ist der Filter.
Deepfakes und Desinformation: Wenn du nicht sicher sein kannst, ob etwas echt ist, werden verifizierbare Credentials zur Währung des Vertrauens.
KI-Integration in Suche: Wenn Google AI Overviews oder ChatGPT Antworten liefern, zitieren sie Quellen, denen sie vertrauen. Winner-takes-all wird stärker.
Fazit
E-E-A-T lässt sich nicht faken. Keine Abkürzung, keine Software, die deinen Score optimiert.
Was funktioniert: Echte Expertise aufbauen, echte Erfahrungen sammeln und Vertrauenswürdigkeit verdienen – und dann dafür sorgen, dass diese Qualitäten sichtbar werden.
Das ist keine schnelle Lösung. Aber in einer Welt, in der jeder mit KI mittelmäßigen Content produzieren kann, ist echte Qualität der einzige nachhaltige Wettbewerbsvorteil.
Quellen
- Google Search Quality Evaluator Guidelines (2024)
- Aggarwal, P. et al. (2024): “GEO: Generative Engine Optimization”. Princeton University.
- Google Search Central Blog (2022): “What creators should know about Google’s helpful content update”
- marktgetrieben Insights – Was ist GEO?
Zuletzt aktualisiert: Januar 2025